Herausforderung Finanzen

Im Ergebnis verzeichnete die TK für das Jahr 2020 ein Minus von mehr als 1,1 Milliarden Euro.

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Das Jahr 2020 war für die gesetzlichen Krankenkassen insgesamt und damit auch für die TK aus finanzieller Sicht ohne Zweifel herausfordernd: Es galt, zwischen geplantem Defizit aufgrund des gesetzlich vorgeschriebenen Reservenabbaus und der finanziellen Unbekannten Pandemie zu haushalten. Gleichzeitig mussten die Weichen für die Finanzen 2021 mit erneut sehr schwierigen Rahmenbedingungen gestellt werden.

Thomas Thierhoff

ist Leiter des Geschäftsbereichs Finanzen und Controlling.

Im Ergebnis verzeichnet die TK für das Jahr 2020 ein Minus von mehr als 1,1 Milliarden Euro – wie gesagt, ein geplantes Defizit, um Reserven abzubauen und im Wesentlichen eine Folge unseres stark unterdurchschnittlichen Zusatzbeitrags. Dieser betrug in den letzten beiden Jahren 0,7 Prozent, während der vom Gesundheitsministerium festgelegte Durchschnitt für 2020 auf 1,1 Prozent angehoben wurde. Angesichts deutlich gestiegener Leistungsausgaben von im Schnitt 4,7 Prozent je Versicherten, war dieser stark unterdurchschnittliche Zusatzbeitrag absehbar nicht kostendeckend. In die Jahresbilanz flossen zudem einmalige Sondereffekte wie eine Zahlung in den Pensionsfonds ein.

Die Pandemie brachte Bewegung und eine größere Unsicherheit in die Finanzen: Ihre finanziellen Folgen für die GKV sind sehr vielschichtig – und mit Blick auf die kommenden Jahre auch noch ungewiss. Für das vergangene Jahr können wir konstatieren, dass es entlastende Effekte gab, da zum Beispiel Operationen verschoben wurden. Ohne diese Entlastung wären die Leistungsausgaben noch stärker gestiegen. Finanziell belastet ist vor allem der Gesundheitsfonds durch Kosten für zum Beispiel neue Intensivbetten, aber insbesondere auch durch fehlende Beitragseinnahmen.

Ein Blick auf das Jahr 2021: Neben den drohenden Einnahme-Einbußen durch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sowie den weiter steigenden Leistungsausgaben belastet uns die vom Gesetzgeber festgelegte hohe Abführung aus den Finanzreserven. Insofern war die Erhöhung des Zusatzbeitrags zu Beginn des Jahres 2021 eine logische Konsequenz.

5,3

Milliarden Euro betrugen die Ausgaben für Arzneimittel im Jahr 2020.

8,9%

sind die Ausgaben für Krankengeld je Versicherten gestiegen.

Dr. Anne Thomas

ist Arbeitgebervertreterin im TK-Verwaltungsrat.

2020 war für uns im Verwaltungsrat ereignisreich: Die Pandemie sorgte für Schwankungen in den Finanzen, dazu kam die Debatte um die GKV-Finanzlücke. Dabei galt es für uns Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter, kritisch auf die drohende Belastung für die Beitragszahlenden aufmerksam zu machen. Problematisch sehen wir, dass ein Großteil der Finanzlücke durch den Einzug von Reserven gut wirtschaftender Kassen geschlossen werden soll. Damit wurden die Rücklagen der Beitragszahlenden für kurzfristig wirksame politische Maßnahmen eingezogen und finanziell erfolgreiche Kassen bestraft. Vielmehr sollten zu hohe Rücklagen zu niedrigeren Zusatzbeiträgen der einzelnen Kassen führen. So würden die Beitragszahlenden entlastet und der Wettbewerb gestärkt. Wir werden uns weiter für eine nachhaltige Finanzpolitik einsetzen. 

1,9%

betrug das Versichertenwachstum im Jahr 2020. 

Gerard Wolny

ist Versichertenvertreter im TK-Verwaltungsrat. 

Unser Gesundheitssystem hat eine große Stärke: Es ist selbstverwaltet. Diejenigen, die von Entscheidungen betroffen sind, bestimmen mit. In Krankenkassen passiert das durch die Vertreterinnen und Vertreter von Arbeitgebern und Versicherten. Per Gesetz treffen sie zentrale Haushaltsentscheidungen, aus denen auch die Höhe des Zusatzbeitrags hervorgeht. Diese Stärke müssen wir erhalten – das geht nur mit dem notwendigen Entscheidungsspielraum. Die Finanzdebatte im letzten Herbst zeigte, dass das für die Politik nicht selbstverständlich ist: Um die „Sozialgarantie“ zu retten, wurde unsere Entscheidungsautonomie zur Disposition gestellt. Dagegen haben wir uns gewehrt, letztlich wurde der Eingriff zumindest abgemildert. Weil das nicht der einzige Versuch war, unsere Autonomie zu beschneiden, werden wir weiter stark für sie eintreten. 

Abnahmen

Der Verwaltungsrat hat die Jahresrechnung 2020 der Techniker Krankenkasse und die Jahresrechnung 2020 der Techniker Krankenkasse Pflegeversicherung abgenommen und dem Vorstand dafür Entlastung erteilt.

Juli 2021

Dieter F. Märtens
Alternierender Vorsitzender des Verwaltungsrats der TK und der TK-Pflegeversicherung

Dominik Kruchen
Alternierender Vorsitzender des Verwaltungsrats der TK und der TK-Pflegeversicherung

Professor Dr. Volker Möws

ist Leiter des Geschäftsbereichs Politik und Kommunikation. 

GPVG – diese vier Buchstaben haben zum Ende des Jahres 2020 für turbulente Wochen gesorgt. Sie stehen für das Gesundheitsversorgungs- und Pflegeverbesserungsgesetz, das die Finanzlücke der gesetzlichen Krankenversicherung für 2021 schließen sollte. Hauptpunkte waren der Rückgriff auf Reserven der Kassen – die TK ist die am stärksten betroffene Einzelkasse – sowie neue Regelungen, unter welchen Voraussetzungen Krankenkassen ihren Zusatzbeitrag erhöhen dürfen. Dass Kassen erwirtschaftete Reserven solidarisch abgeben sollen, dann aber im Rahmen ihrer Haushaltsplanung ihre Zusatzbeiträge nicht selbst frei gestalten können, rief Kritik hervor, berechtigte Kritik. Wir haben uns intensiv in die Diskussion eingebracht und es gab schließlich Nachbesserungen. Aber: Die Finanzlücke ist nicht einmalig, das liegt auch an der teuren Gesetzgebung der vergangenen Jahre. Diese Herausforderung muss politisch angegangen werden. 

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