Pflege mit Weitblick

Das Projekt "Stress- und Traumaprävention" unterstützt stark geforderte Pflegekräfte dabei, gezielt auf ihre Gesundheit zu achten.

Lesezeit 2 Minuten Lesezeit


Eine fürsorgliche Pflege durch geschulte Fachkräfte, die aufmerksam sind und sich Zeit für ihre Patientinnen und Patienten nehmen – gerade im Notfall und bei schweren Erkrankungen ist das unverzichtbar. Doch gut pflegen kann nur, wer auf sich selbst achtgibt. Im Klinikalltag ist das oft herausfordernd. Schwer kranke oder sterbende Patientinnen und Patienten, emotional aufgebrachte Angehörige und Übergriffe auf das Klinikpersonal gehen auch an erfahrenen Pflegenden nicht spurlos vorbei.

m die psychische Belastung der Mitarbeitenden aufzufangen, hat die AG Stress und Trauma der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) das Projekt „Stress- und Traumaprävention für UKE-Beschäftigte“ ins Leben gerufen. Es ist eines von vier Gesundheitsprojekten für die Belegschaft, die seit 2019 von der TK gefördert werden. Thomas Holm aus dem Gesundheitsmanagement der TK erklärt: „Die Anzahl der zu betreuenden Patientinnen und Patienten wächst kontinuierlich, das Stresslevel steigt. Dabei ist gerade die Arbeit in der Notaufnahme und auf den Intensivstationen ohnehin schon seelisch herausfordernd. Kein Wunder, dass selbst bei größtem Idealismus der Gedanke wächst: Warum tue ich mir das eigentlich an? Deshalb ist es so wichtig, die Gesundheit der motivierten, aber stark geforderten Pflegekräfte dauerhaft gezielt zu unterstützen.“

„Ich merke, dass wir im Kollegium mehr aufeinander achten und schneller merken, wenn sich jemand psychisch belastet fühlt.“

Sonja Zotz, Krankenpflegerin am UKE

Über Belastendes sprechen

In dem Projekt werden die Mitarbeitenden dafür sensibilisiert, stressige und traumatische Situationen zu erkennen und damit umzugehen. Sie lernen, zeitnah darüber zu sprechen, wenn sie etwas Belastendes erlebt haben. Als Vertrauenspersonen stehen ihnen andere Mitarbeitende zur Seite, die sich innerhalb des Projekts als kollegiale Beraterinnen und Berater ausbilden lassen. „Allein das Wissen, ein solches Auffangnetz zu haben, kann schon helfen“, sagt Christian Hannig, Diplompsychologe am UKE und Mitglied der Projektgruppe „Stress- und Traumaprävention“. „Ich merke, dass wir im Kollegium mehr aufeinander achten und schneller merken, wenn sich jemand psychisch belastet fühlt“, berichtet Krankenpflegerin Sonja Zotz aus der Zentralen Notaufnahme des UKE. „Dadurch hat sich unsere gesamte Teamkultur positiv gewandelt.“ Mittlerweile lassen sich auch Ärztinnen und Ärzte am UKE zu kollegialen Beraterinnen und Beratern weiterbilden. Das stärkt das Miteinander der verschiedenen Berufsgruppen. Thomas Holm erzählt, dass andere Kliniken bereits bei der TK angefragt haben, ob sie das Projektkonzept übernehmen können. Seine Antwort: „Man kann nicht nur, man sollte!“