Gesundheit zählt

Zwischen Pandemie und Wahljahr: Selten war Gesundheitspolitik so sehr im Fokus der öffentlichen Debatte wie heute.

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Aus Sicht der TK gilt es jetzt, unser Gesundheitssystem für die Zukunft aufzustellen und Themen wie die Digitalisierung in Gesundheit und Pflege, die GKV-Finanzierung und die Verbesserung der Krankenhausstrukturen, aber auch die Patientensouveränität und Nachhaltigkeit deutlich voranzubringen. Worauf es ankommt, zeigt die TK in ihren gesundheitspolitischen Forderungen – aufgeteilt in sieben Themencluster – zur Bundestagswahl auf.

Digitalisierung

Für die digitale Transformation des Gesundheitssystems stehen jetzt wichtige Weichenstellungen für das kommende Jahrzehnt an – sie entscheiden, ob die Digitalisierung Herausforderung oder Chance wird. Wichtige Schritte sind aus TK-Sicht, dass die elektronische Patientenakte zum digitalen Herzstück der Versorgung wird. Zudem brauchen wir einen zeitgemäßen Umgang mit Daten, der Patientinnen und Patienten Chancen auf eine bessere Versorgung eröffnet.

Und wir brauchen weiterhin Tempo in der Digitalisierung, aktuellere Dokumentationsdaten und digitale Prozesse als Standard statt als Ausnahme. Wichtig ist auch flächendeckend eine bessere Netzqualität.

Vernetzt (&) besser versorgen

Wir brauchen dringend eine Reform der Notfallversorgung. Dabei müssen auch digitale Angebote und Fernbehandlungen als Bestandteil des Notfallmanagements eingesetzt werden. Grundsätzlich gilt es, analoge und digitale Versorgung gemeinsam zu denken. Die Nachfrage nach digitalen Angeboten ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen und hat mit der Pandemie weiter zugenommen. Jetzt gilt es, diese durchdacht breit zu verankern. Digitale Behandlungsketten können die Versorgung verbessern – sie müssen angemessen im Sozialgesetzbuch abgebildet werden. Apps auf Rezept sind ein guter Anfang. Jetzt müssen sie weiterentwickelt werden, dazu gehört auch eine faire Preisgestaltung.

Zukunft der Pflege – Pflege der Zukunft

Immer mehr Menschen benötigen immer komplexere Pflege. Das macht die langfristige Finanzierung von Pflege und die Unterstützung von Pflegekräften und pflegenden Angehörigen zu zentralen Zukunftsfragen. Deshalb braucht die soziale Pflegeversicherung eine Reform, welche die finanziellen Lasten auf viele Schultern verteilt.
Zudem muss die Arbeit in der Pflege für Pflegekräfte attraktiver werden – aber auch pflegende Angehörige müssen ganz gezielt entlastet werden, denn sie leisten nach wie vor einen großen Teil der Pflege. Dafür müssen wir auch die Chancen der Digitalisierung für die Pflege nutzen.

Krankenhausstruktur modernisieren

Eine zeitgemäße Krankenhausstruktur ist ein Schlüsselfaktor für die Versorgung der Menschen in Deutschland. Dazu gehört auch, ihre Finanzierung weiterzudenken. Beim Thema Krankenhausfinanzierung müssen sowohl der Aspekt Qualität als auch die Gegebenheiten vor Ort berücksichtigt werden. Dabei sind starre Sektorengrenzen hinderlich: In strukturschwachen Regionen sollten sektorenübergreifende Konzepte zum festen Teil der Versorgung werden – zum Beispiel durch Regionale Gesundheitszentren (RGZ), die Angebote der stationären und der ambulanten Versorgung bündeln. Zudem muss auch in den Kliniken die Digitalisierung konsequent weitergehen.

Gesundheitspolitik im Fokus: Es gilt jetzt, Themen wie Digitalisierung und Pflege voranzubringen

Finanzierung und Wettbewerb

Die Finanzierung von Gesundheit zukunftssicher aufzustellen, wird zur Kernaufgabe in der kommenden Legislaturperiode, denn die Kosten für Gesundheit steigen stetig. Dabei bedarf es langfristiger Lösungen statt punktueller Maßnahmen. Das Gesundheitssystem muss effizienter werden, zudem sind Strukturreformen unumgänglich. Außerdem braucht eine zeitgemäße GKV-Finanzierung einen dynamischen Steuerzuschuss, der sowohl versicherungsfremde Leistungen als auch Pandemiefolgen berücksichtigt. Und: Ein fairer Wettbewerb ist eine Grundvoraussetzung für eine zukunftssichere Finanzierung. Dafür ist ein Ende der Aufsichtsvielfalt notwendig, denn: Noch immer sind in Deutschland 17 unterschiedliche Behörden mit dieser Aufgabe betraut.

Versorgungsinnovationen

Innovationen sind ein zentraler Faktor für eine bessere Versorgung. Damit sie zielgerichtet bei Patientinnen und Patienten ankommen, müssen sie fair finanziert werden – und optimal auf deren Bedürfnisse ausgerichtet sein. So sind beispielsweise innovative Arzneimittel für viele, teils schwerkranke Menschen eine enorme Chance. Es ist eine wichtige Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass sie auch zu einem fairen Preis zugänglich sind. Zudem brauchen Krankenkassen bessere Möglichkeiten, Innovation im Sinne ihrer Versicherten mitzugestalten, statt nur die Rechnung zu bezahlen. Und: Aus TK-Sicht sollten auch Apotheken digitale Versorgungsmodelle entwickeln.

Patientensouveränität und Prävention

Souveräne Entscheidungen von Patientinnen und Patienten sind eine Grundlage für eine gute Gesundheitsversorgung – und benötigen die richtigen Rahmenbedingungen: Transparenz, Kompetenz und Mitbestimmung. Dazu gehört beispielsweise, die digitale Gesundheitskompetenz zu fördern. Sie kann einen wichtigen Beitrag leisten, dass die digitale Transformation im Gesundheitssystem gelingt. Wichtig ist auch, zeitgemäße Mitbestimmungsmöglichkeiten wie die Online-Option bei den Sozialwahlen zu etablieren – und Menschen zu unterstützen, die möglicherweise von Behandlungsfehlern betroffen sind. Aus TK-Sicht ist es zudem an der Zeit, endlich das Thema Nachhaltigkeit in der GKV-Welt fest zu verankern.

Wie sehen die Menschen in Deutschland ihr Gesundheitssystem? Das erfragt der TK-Meinungspuls seit fast 20 Jahren. 2021 standen neben der Digitalisierung unter anderem auch die Themen Pflege und Notfallversorgung auf der Agenda der aktuellen repräsentativen Erhebung. Befragt wurden 2.001 Personen ab 18 Jahren im Januar 2021.

Mehr Informationen zu den einzelnen gesundheitspolitischen Forderungen gibt es im Internet unter  tk.de/bundestagswahl