Nutzerfreundlichkeit muss im Fokus stehen

Die nächsten Schritte für die Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems: Dr. Susanne Ozegowski und Daniel Cardinal im Interview.

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Mit der ePA ist ein wichtiger Meilenstein für die Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems gelegt. Dr. Susanne Ozegowski, Leiterin des Geschäftsbereichs Unternehmensentwicklung, und Daniel Cardinal, Leiter des Geschäftsbereichs Versorgungsinnovation, blicken in die Zukunft. Was sind die nächsten Schritte?

Dr. Susanne Ozegowski

ist Geschäftsbereichsleiterin der Unternehmensentwicklung bei der Techniker Krankenkasse. Sie ist für die Strategieentwicklung und Digitalisierung der TK zuständig. Zuvor verantwortete sie als Projektleiterin für „TK-Safe“ die Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte der TK.

Daniel Cardinal

ist Leiter des Geschäftsbereichs Versorgungsinnovation bei der TK. Er ist zuständig für die Fachbereiche Arzneimittel und Versorgungsmanagement, das Fachzentrum Abrechnung sowie die fünfzehn Landesvertretungen und die Ermittlungsgruppe Abrechnungsmanipulation. Der Volljurist ist seit 2014 für die TK tätig.

Warum ist es so wichtig, dass die ePA eingeführt wurde?

Daniel Cardinal Wenn mehr Informationen eines Versicherten vorliegen, hilft dies, schneller und erfolgreicher zu behandeln. Allerdings haben wir heute keinen zentralen Ablageort für wichtige medizinische Dokumente. Das führt leider dazu, dass bei einem Arztwechsel oder einer Überweisung zu einer Fachärztin Untersuchungen oftmals wiederholt werden müssen.

Dr. Susanne Ozegowski Daten sind der Schlüssel für eine neue Qualität in der Medizin. Weltweit werden jeden Tag so viele neue Forschungsergebnisse publiziert, dass dies kein einzelner Spezialist mehr überblicken kann. Damit diese Ergebnisse bei der Diagnostik und Therapie von Krankheiten helfen, müssen sie mit technologischer Unterstützung übersetzt werden – nur so können Versicherte individuell zugeschnitten behandelt werden.

Vernetzung ist das Stichwort. Warum ist dieser Aspekt so zentral?

Ozegowski Die Vernetzung der Leistungserbringer ist das Herzstück der Digitalisierung des Gesundheitssystems. Die Telematikinfrastruktur ermöglicht, dass Ärztinnen und Ärzte untereinander Informationen austauschen, aber auch Versicherte ihre Behandlungsdaten direkt in ihre ePA geladen bekommen können.

Cardinal Doch die ePA wird sich langfristig nur etablieren, wenn der Datenaustausch funktioniert und möglichst viele Praxen und Krankenhäuser angebunden sind. Wir dürfen hier keine Zeit verlieren! Die Krankenkassen haben mit der Bereitstellung der ePA das Fundament geschaffen. Jetzt müssen sich sämtliche Akteure im Gesundheitswesen anschließen – allen voran die Ärztinnen und Ärzte.

Nehmen die Versicherten die Akte an?

Cardinal Unsere ePA TK-Safe hatte bereits im ersten Monat mehr als 50.000 Nutzerinnen und Nutzer. Das zeigt uns: Die Versicherten haben ein deutliches Interesse daran, Transparenz über ihre Daten zu bekommen. Der Erfolg täuscht aber nicht darüber hinweg, dass wir in einigen Punkten bei den technischen Vorgaben dringend Verbesserungen brauchen.

Worum geht es hier konkret?

Ozegowski Die ePA muss in der Bedienung nutzerfreundlicher werden. Der Registrierungsprozess ist unnötig kompliziert. Wir sehen, dass die Akten in anderen Ländern – trotz gleicher Datenschutzvorschriften – für die Nutzerinnen und Nutzer deutlich komfortabler gestaltet sind. Datenschutz hat Priorität, aber die Benutzerfreundlichkeit darf darüber nicht vergessen werden.

Cardinal Benutzerfreundlich heißt aus unserer Sicht auch, dass es nicht für jede einzelne Anwendung eine eigene App gibt. Wir haben ja bereits die Krankenkassen-Apps. Sie ermöglichen grundsätzlich den Zugang zu einer einheitlichen Basisinfrastruktur, auf die alle Versicherten Anspruch haben und wo die Versicherten über die Datennutzung entscheiden können.