Vom Schreibtisch ins Pflegeheim

Der TK-Mitarbeiter und gelernte Krankenpfleger Georg van Elst unterstützt das Personal im Pflegeheim.

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Keinen Besuch von der Familie, keine Veranstaltungen: Viele Menschen in Pflegeheimen fühlen sich im Frühjahr 2020 aufgrund der strengen Kontaktbeschränkungen einsam. Coronabedingt ist jedoch kaum genug Personal da, um die grundlegenden Aufgaben abzudecken. Der TK-Mitarbeiter und gelernte Krankenpfleger Georg van Elst möchte helfen.

Georg van Elst

ist Leiter des TK-Pflegezentrums in Dresden. Der gelernte Krankenpfleger tauschte für vier Wochen seinen Schreibtisch gegen ein Pflegeheim.

ls die Stadt Hamburg im März 2020 einen Aufruf zur Freiwilligenarbeit startet, zögert er nicht lange und kontaktiert seinen Chef. Der ist sofort einverstanden. Und so wird Teamleiter Georg van Elst zu „Pfleger Georg“, der schon wenige Tage später seinen Dienst in einem Hamburger Pflegeheim antritt. Leicht fällt es ihm nicht, sein Team für vier Wochen allein zu lassen, denn auch in der TK gibt es durch die Pandemie mehr zu tun als sonst – gerade im Bereich Pflegeleistungen, den Georg van Elst leitet. Doch die Kolleginnen und Kollegen unterstützen sein Vorhaben. In den Pflegeheimen wird schließlich jede helfende Hand benötigt. „Ich war wirklich stolz auf mein Team und froh, dass es mit der Freistellung so unkompliziert lief“, sagt Georg van Elst. „Das ist nicht selbstverständlich.“ Auf der Etage, die Georg van Elst mitbetreut, leben 20 Personen. Die meisten von ihnen sind über 80 Jahre alt, hier ist besondere Vorsicht geboten: Während der gesamten Schicht müssen die Pflegerinnen und Pfleger einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Hinzu kommt eine spezielle Schutzkleidung für den Kontakt zu Verdachtsfällen oder bestätigten Covid-19-Fällen.

In Schutzkleidung: Georg van Elst hat in einem Hamburger Pflegeheim ausgeholfen.

Arbeitsalltag in der Pandemie

In der zweiten Woche seines Einsatzes beginnt das Gesundheitsamt mit Reihenuntersuchungen im Pflegeheim. Eine 90-jährige Bewohnerin hat sich infiziert. Sie wird isoliert, doch auch die anderen Bewohner des Flures sind durch den Befund betroffen. Sie sollen möglichst nicht mehr ihre Zimmer verlassen. Eine demente Bewohnerin versteht die Welt nicht mehr. Sie darf doch sonst auch auf dem Flur spazieren gehen. Immer wieder muss „Pfleger Georg“ sie zurück in ihr Zimmer führen.

Wann immer möglich, nimmt er sich zwischen den Routineaufgaben die Zeit für ein Gespräch mit den Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohnern. Fotocollagen in den Zimmern helfen, sie besser kennenzulernen. Und Ende April 2020 dürfen auch endlich wieder Angehörige zu Besuch kommen. In einem Zelt vor dem Haus können sie auf Abstand mit den Bewohnern sprechen. Das ist noch nicht viel, kein Kuss und keine Berührung sind erlaubt. Aber immerhin, vertraute Menschen dürfen sich wieder von Angesicht zu Angesicht sehen.

Die vier Wochen im Pflegeheim vergehen wie im Flug. Vier Wochen, vor denen sich Georg van Elst kaum vorstellen konnte, wieder zu pflegen. Und jetzt fällt es ihm schwer, in seinen Bürojob zurückzukehren. „Die harte körperliche Arbeit im Schichtbetrieb hat mir die Situation der Pflegenden und Pflegebedürftigen wieder näher gebracht“, fasst Georg van Elst zusammen. Ein wichtiger Aspekt, den er auch in seiner neuen Position als Leiter des Dresdner TK-Pflegezentrums nicht aus den Augen verlieren möchte.

Neuer Arbeitsalltag: Neben den Routineaufgaben versuchte der gelernte Krankenpfleger, sich auch Zeit für Gespräche zu nehmen.