„Alles, was man braucht, sind zwei Hände“

Warum es so wichtig ist, das Wissen zur Ersten Hilfe aufzufrischen.

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Prüfen, Rufen, Drücken: Professor Dr. Bernd W. Böttiger, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Rats für Wiederbelebung, erklärt im Interview, was bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zu tun ist und warum es wichtig ist, das Wissen zur Ersten Hilfe aufzufrischen.

Professor Dr. Bernd W. Böttiger

ist Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Uniklinik Köln, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Rats für Wiederbelebung und Vorsitzender des Kuratoriums der Deutschen Stiftung Wiederbelebung.

Viele Menschen haben einen Erste-Hilfe-Kurs im Rahmen der Führerscheinprüfung gemacht, aber dann nie wieder. Warum ist das ein Problem?

Professor Dr. Bernd W. Böttiger Erste Hilfe beim Führerschein ist natürlich besser als nichts. Gleichzeitig beobachten wir, dass die Menschen ziemlich schnell wieder vergessen, was sie in diesem Kurs gelernt haben. Immer mehr Menschen machen übrigens auch gar keinen Führerschein. Wenn Gelerntes langfristig hängenbleiben soll, muss man früh anfangen und es ab und zu wiederholen. Erste Hilfe sollte deshalb schon im Kindergartenalter spielerisch gelernt werden und später auch in der Schule. Wer früh etwas lernt, verinnerlicht es viel besser und ist dann im Ernstfall weniger zurückhaltend.

Welche Folgen hat es, dass viele Menschen nicht oder nicht mehr wissen, wie zum Beispiel eine Herzdruckmassage funktioniert?

Böttiger Der plötzliche Herz-Kreislauf- Stillstand tritt in Deutschland jährlich mindestens 70.000 Mal auf. Daran stirbt die oder der Betroffene, wenn nicht innerhalb von drei bis fünf Minuten mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen wird. Es zählt jede Sekunde. Bei uns in Deutschland braucht der Rettungsdienst vom Anruf bis zum Eintreffen im Mittel neun Minuten. Der Laie sollte in Erste Hilfe so qualifiziert sein, um diese Minuten überbrücken zu können. Noch bis vor etwa sieben Jahren lag die sogenannte Laien-Reanimationsquote aber nur bei unter 20 Prozent, jetzt liegt sie bei etwa 40 Prozent. Das ist immer noch viel zu niedrig. In anderen Ländern wie Norwegen liegt sie schon länger bei fast 80 Prozent.

Für den Notfall proben

Was tun bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand? Mit der kostenlosen Erste-Hilfe-App TK-RescueMe VR bringen sich Nutzerinnen und Nutzer in eine virtuelle Notfallsituation, in der sie schnell Entscheidungen treffen müssen und lernen, wie die Herzdruckmassage funktioniert. Die TK hat die Anwendung in Kooperation mit dem Deutschen Rat für Wiederbelebung (GRC) entwickelt. Es gibt sie mittlerweile auch als Browseranwendung.

TK-RescueMe.de

Was ist konkret im Notfall bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zu tun?

Böttiger Drei ganz einfache Dinge sind wichtig: Prüfen, Rufen und Drücken. Prüfen, ob die Person ansprechbar ist, und den Notarzt rufen, können Kinder schon früh. Und auch die Wiederbelebung durch Drücken ist kinderleicht, das können Kinder spätestens ab der 7. Klasse.

Die TK hat in Kooperation mit dem Deutschen Rat für Wiederbelebung die Anwendung TK-RescueMe entwickelt. Was kann diese digitale Unterstützung leisten?

Böttiger Aus meiner Sicht kann man damit sehr gut das Wissen zur Herzdruckmassage auffrischen. Und wer noch keinen Erste-Hilfe-Kurs absolviert hat, bekommt einen guten Eindruck, wie eine Herzdruckmassage gemacht wird und wie einfach das ist. Alles, was man dafür braucht, sind zwei Hände. Und was mir wichtig ist: Wir brauchen eine Kultur der gegenseitigen Hilfe, sodass es normal ist, sofort Erste Hilfe zu leisten. Dazu kann die Anwendung auch beitragen.

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