„Das Schlimme am Cybermobbing ist ja, dass man es mit nach Hause nimmt.“

Ein Gespräch mit Julia Liebe, die als Scout bei JUUUPORT unterstützt.

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Vertrauliche Hilfe bei Cybermobbing – das bietet JUUUPORT. Ein Gespräch mit Julia Liebe, die als ehrenamtlicher Scout Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unterstützt.

Julia Liebe

ist 22 Jahre alt und seit 2016 ehrenamtlicher Scout bei JUUUPORT. Hier finden von Cybermobbing betroffene Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene Hilfe – ganz unkompliziert und anonym.

Warum ist Ihnen das Thema Cybermobbing wichtig?

Julia Liebe Auch an meiner eigenen Schule habe ich Fälle von Mobbing beobachtet. Nach einer Mediatorenausbildung habe ich eine Fortbildung zum Thema Onlineberatung gemacht. Die anonymisierten und sehr beeindruckenden Fallbeispiele kamen damals von JUUUPORT. Das Schlimme am Cybermobbing ist ja, dass man es mit nach Hause nimmt. Es hört einfach nicht auf.

„Das Schlimme am Cybermobbing ist ja, dass man es mit nach Hause nimmt.“

Julia Liebe, ehrenamtlicher Scout bei JUUUPORT

Wie sehen die Fälle von Mobbing aus, mit denen sich Betroffene an JUUUPORT wenden?

Liebe Tatsächlich fallen bestimmt 70 Prozent in die Kategorie Cybermobbing. Ein klassischer Fall: Jemand hat ein Bild von mir auf Facebook gepostet und ich bin damit nicht einverstanden. Dabei muss es sich gar nicht um intime Bilder handeln. Oftmals möchten die Betroffenen einfach nur nicht, dass dieser Content öffentlich wird. Intime Bilder kommen meist ins Spiel, wenn erpresst und gedroht wird, diese weiterzuverbreiten. Aber auch anonyme Beleidigungen und Hassbotschaften sind häufig Thema.

17%

der Kinder und Jugendlichen sind laut der Studie „Cyberlife III“ von Cybermobbing betroffen.

Wie helfen die Scouts konkret weiter?

Liebe Im zuerst genannten Fall machen wir zunächst auf Datenschutz- und Privatsphäreeinstellungen in sozialen Netzwerken aufmerksam. Viele wissen gar nicht, was ihre Rechte sind und wie sie sich schützen können. Dass man zum Beispiel auch Einträge melden kann, ist ihnen neu. Gleichzeitig raten wir dazu, Screenshots zu sichern, um das Cybermobbing belegen zu können – auch falls es mal so weit kommt, dass man rechtliche Schritte geht.

Im Vergleich zu 2017 hat Cybermobbing im aktuellen Jahr 2020 deutlich zugenommen, so die Studie "Cyberlife III" vom Bündnis gegen Cybermobbing e. V. und der TK.

Wie verstehen Sie Ihre Rolle als Scout bei JUUUPORT?

Liebe Wir bieten einen ersten Anlaufpunkt. Durch den Peer-Effekt, den Austausch mit Gleichaltrigen, fühlen viele sich eher verstanden. Gerade wenn sich jemand bei uns über das Onlineformular meldet, hat das eine Art „Tagebucheffekt“. Sich den Kummer von der Seele zu schreiben, tut gut und ist ein erster Schritt. Neben den konkreten Empfehlungen ist es aber fast noch wichtiger, zu ermutigen, sich anderen Personen anzuvertrauen. Neben der virtuellen Unterstützung durch uns, muss auch im Umfeld der Betroffenen jemand auf das Thema aufmerksam gemacht werden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Liebe Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Fallzahlen weiter steigen. Gleichzeitig gibt es viel zu wenig Expertise, viel zu wenige Präventionsangebote. So sehr ich die Arbeit bei JUUUPORT mag, wünsche ich mir eigentlich, dass wir nicht mehr gebraucht werden.

Im Vergleich zu 2017 hat Cybermobbing im aktuellen Jahr 2020 deutlich zugenommen, so die Studie "Cyberlife III" vom Bündnis gegen Cybermobbing e. V. und der TK.

Wie die TK Kinder und Jugendliche stark fürs Netz macht

Beleidigen, runtermachen, öffentlich bloßstellen: Mobbing an Schulen hat es schon immer gegeben. Durch das Internet und die Sozialen Medien hat diese Form der psychischen Gewalt in den letzten Jahren noch ganz andere Dimensionen angenommen. Früher hörte Mobbing nach Schulschluss auf. Doch in der digitalen Welt von WhatsApp, Instagram, Facebook und Co. ist Mobbing in Form von Cybermobbing jederzeit möglich, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

Die Pandemie hat diese Situation noch verschärft. Durch Homeschooling und Abstandsregeln hat sich das Sozialleben der Kinder und Jugendlichen noch stärker ins Netz verschoben. Auch gibt es jetzt weniger soziales Korrektiv durch die Lehrkräfte vor Ort, da Präsenzunterricht teilweise monatelang nicht stattfindet.

Laut der Studie „Cyberlife III – Cybermobbing bei Schülerinnen und Schülern“, die das Bündnis gegen Cybermobbing in Kooperation mit der TK im Dezember 2020 der Öffentlichkeit vorgestellt hat, war bereits rund jeder sechste Schüler einmal Opfer von Cybermobbing. 2017, bei der Vorgängerstudie, betraf es noch rund jeden achten. Das entspricht einem Anstieg von 36 Prozent. Mobbing und Cybermobbing können massive Folgen für die körperliche und seelische Gesundheit haben. Dazu gehören zum Beispiel Ängste, Schlafstörungen oder Depressionen. Nicht selten leiden die Betroffenen noch jahrelang an den Spätfolgen.

Doch so weit darf es gar nicht erst kommen. Daher setzt sich die TK bereits seit Jahren im Rahmen der Gewaltprävention mit vielen Projekten und Angeboten für mehr Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen ein. Da geht es nicht nur um das technische Know-how im Umgang mit den digitalen Medien oder den reflektierten und maßvollen Umgang mit Konsole und Co., Medienkompetenz beinhaltet auch den respektvollen Umgang miteinander im Netz.